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Hochsensibilität ist keine Schwäche – 13 Stärken hochsensibler Menschen

Häufig fragen sich hochsensible Menschen:

Was stimmt nicht mit mir?

Menschen mit Hochsensibilität besitzen ein stark empfängliches, hochsensibles Nervensystem und nehmen Sinnesreize und Emotionen viel stärker wahr als andere.  Sie werden mit einem Wesenszug geboren, der sie alle möglichen subtilen Botschaften von außen und innen wahrnehmen lässt. Hochsensible Menschen verarbeiten Informationen, die sie erhalten viel gründlicher als andere Menschen, sehen kleinste Kleinigkeiten und reflektieren gerne. Die Menge an herein kommenden Informationen und Wahrnehmungen können schnell zur Reizüberflutung führen.

Die Herausforderung für hochsensible Menschen besteht darin, ihr Leben in Einklang mit ihrem Naturell in unzähligen Alltagssituationen in allen Lebensbereichen zu führen. Der Versuch sich an die Mehrheit der Menschen anzupassen, ist ein grundlegendes Problem.

Hochsensibilität kann zugleich Fluch und Segen sein – je nachdem wie der Einzelne damit umgeht und es für sich und sein Leben annimmt und sich darauf einlässt.

Reizüberflutung
Bild von pixabay.com

Wenn du diesen Blog Artikel gelesen hast, weißt/kennst du…

  • was wird unter Hochsensibilität verstanden?
  • wie funktioniert Wahrnehmung?
  • wie nehmen hochsensible Menschen ihre Welt wahr?
  • ist Hochsensibilität Fluch oder Segen?
  • welche Herausforderung Hochsensibilität in sich birgt
  • Hochsensibilität im Coaching
  • 13 Stärken von hochsensiblen Menschen
  • Vier Indikatoren zur Feststellung von Hochsensibilität (nach Elaine N. Aron – Psychologin/Wissenschaftlerin)
  • Links zu persönlichen Tests

Was wird unter Hochsensibilität verstanden?

Jeder 5. Mensch ist hochsensibel – Die Erkenntnis kann eine enorme Erleichterung und Lebensverändernd für den Einzelnen sein.

Unter Hochsensibilität wird eine höhere Empfänglichkeit und Empfindlichkeit gegenüber äußeren und inneren Reizen verstanden.

Sie gilt als ein beständiges Persönlichkeitsmerkmal von 15-20 % der Menschen und ist auf eine besondere Beschaffenheit des Nervensystems zurückzuführen. Es gibt jedoch nicht den einen „hochsensiblen Persönlichkeitstyp“, sondern neben dem „Schweregrad“ gibt es auch bei den Merkmalen in der Persönlichkeit erhebliche Unterschiede. Da sich die Hochsensibilität in unterschiedlichen Ausprägungen und Wahrnehmungen zeigt, gibt es aus diesem Grund auch keinen einheitlichen Weg, wie sich das Leben mit Hochsensibilität am Besten gestalten lässt. Vielmehr ist es wichtig zu schauen, wo die Herausforderungen liegen, sie anzuerkennen und im Alltag nützlich einzusetzen.

Sinneswahrnehmung
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Wie funktioniert Wahrnehmung?

Die Wahrnehmung von Reizen innerhalb und außerhalb des Körpers erfolgt über die fünf Sinne:

  1. visuelle Wahrnehmung, das Sehen mit den Augen (der vorherrschende Sinn) ca. 10 Mio. Sinneszellen
  2. taktile Wahrnehmung, das Tasten und Fühlen mit der Haut – ca. 1 Mio Sinneszellen
  3. auditive oder akustische Wahrnehmung, das Hören mit den Ohren – ca. 100 000 Sinneszellen
  4. olfaktorische Wahrnehmung, das Riechen mit der Nase – ca. 100 000 Sinneszellen
  5. gustatorische Wahrnehmung, das Schmecken mit der Zunge und den Schleimhäuten in der Mundhöhle – ca. 1000 Sinneszellen

Diese Sinneseindrücke werden an die entsprechenden Hirnbereiche weitergegeben und im nächsten Schritt werden sämtliche eingehende Informationen im Gehirn miteinander verbunden und verarbeitet. Das Einordnen und Bewerten geschieht zum größten Teil unbewusst durch den Abgleich mit bereits abgespeicherten Informationen aus Erfahrungen und Erlebnissen. Einzelne Informationen werden zu sinnvollen Gesamteindrücken zusammengeführt und Zusammenhänge hergestellt.

Wahrnehmungsfilter helfen uns irrelevante Reize auszublenden

Was uns letztlich bewusst wird, ist das Ergebnis eines Auswahlvorgangs. Unsere Wahrnehmung ist immer gefiltert und unterscheidet zwischen relevanten und irrelevanten Reizen.
Unerhebliches wird ausgeblendet, damit unser Bewusstsein nicht überlastet wird und somit funktionsfähig bleibt.

Die sogenannten „neurologischen Filter“, sind die durch das Nervensystem vorgegebenen Filter mit denen die Unterscheidung zwischen relevanten oder irrelevanten Reizen erfolgt und eine Ausblendung irrelevanter Reize stattfindet. Daneben gibt es noch individuelle Wahrnehmungsfilter, welche sich durch die innere Haltung und eigenen Sichtweisen basierend auf persönlichen Erfahrungen ausbilden. Zuletzt gibt es den sozialen Wahrnehmungsfilter, welcher aus den Überzeugungen besteht, die aus der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe resultieren.

Durch die individuelle Verarbeitung der Reize und den Abgleich mit den vorhandenen Informationen, ist die Wahrnehmung immer subjektiv und eine persönliche Interpretation der Welt.

Wie nehmen hochsensible Menschen ihre Welt wahr?

Bei hochsensiblen Menschen sind die neurologischen Filter durchlässiger gegenüber Reizen und gelangen ins Bewusstsein. Sie können Störreize, wie zum Beispiel ein Radio im Hintergrund nicht ausblenden und bleiben permanent aufmerksamer für derartige Reize aus ihrer Umgebung. Sich zu konzentrieren, wenn im Hintergrund ein Radio läuft oder gesprochen wird ist schwierig bis unmöglich.

In einem Großraumbüro zu arbeiten kann für einen hochsensiblen Menschen mit vorwiegend auditiver Wahrnehmungssensibilität der blanke Horror sein. Er hat keine Chance sich zu konzentrieren und die Hintergrundgeräusche als unwichtig einzustufen und auszublenden. Stress und Stress-Folgeerkrankungen wie z. B. Burn-out (siehe auch Blog Artikel) sind hier vorprogrammiert.

Mit ihrer höheren Reizempfänglichkeit nehmen hochsensible Menschen Licht, Geräusche, Gerüche, Geschmack und Einwirkungen auf die Haut (Kälte, Wärme, Wind, Druck) intensiver und detaillierter wahr als andere Menschen. Feinheiten in der Umgebung werden wahrgenommen und ein feines Gespür für die Stimmungen, Befindlichkeiten und unausgesprochene Worte der Mitmenschen prägt hochsensible Menschen.

Ich war schon immer anders…

Häufig ist das Selbstwertgefühl hochsensibler Menschen geringer als bei anderen Menschen. Unkenntnis und Unverständnis von Familie und Freunden, legen in jungen Jahren bereits den Grundstein dafür.

  • du bist überempfindlich
  • verstehst du keinen Spaß?
  • hast du etwa Angst?
  • bist du schüchtern?
  • hast du kein Selbstbewusstsein?
  • du bist zu empfindsam

Mit solchen Bemerkungen seitens Eltern, Lehrern und Freunden verbringen hochsensible Menschen häufig ihre Kindheit und Jugend. Es wirkt sich dahingehend aus, dass sich in ihrem Kopf der Gedanke „mit mir stimmt etwas nicht“ festsetzt und sie ihre Wahrnehmungssensibilität als Schwäche sehen und dagegen ankämpfen.

Daher kann die Erkenntnis „Hochsensibilität“ für den Einzelnen eine wahre Befreiung sein. Das Anderssein macht plötzlich Sinn und der Umgang damit kann bewusst erfolgen.

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Ist Hochsensibilität Fluch oder Segen?

Ob die Hochsensibilität als Problem verstanden oder hochgelobt wird, hängt stark von der eigenen Situation und Sichtweise ab. Generell ist es weder gut noch schlecht hochsensibel zu sein, es kann sowohl Bereicherung als auch Einschränkung sein. Dies hängt von der eigenen Lebenslage, aktuellen Anforderungen und der persönlichen Zielsetzung ab.

Wie der Einzelne mit der Hochsensibilität umgeht, sie annimmt und inwieweit es gelingt, das Beste daraus zu machen, hängt vom Einzelnen persönlich ab.

Welche Herausforderungen Hochsensibilität mit sich bringt

Die größte Herausforderung für hochsensible Menschen besteht sicher darin, das Leben im Einklang mit ihrem Naturell zu führen.
Auf sich selbst hören und achtgeben. Situationen mit bekannter Reizüberflutung meiden. Eigene Grenzen setzen und den persönlichen und beruflichen Alltag bewusst gestalten ist eine gewaltige Aufgabe für hochsensible Menschen.

Hochsensible Menschen: Zu zart besaitet?

Zudem ist es immens wichtig, dass sich hochsensible Menschen selbst gut kennenlernen.

  • Wo ist der eigene Wohlfühlbereich?
  • Welche Reize überfordern?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es mit Situationen umzugehen?
  • Wie gelingt Abgrenzung?

Da sie Feinheiten sehr stark wahrnehmen werden sie leicht von Reizen wie Lärm, visuellem Chaos, kratzigen Stoffen, merkwürdigen Gerüchen, extremen Temperaturen, emotional fordernden Situationen, Menschenmengen oder Fremden überwältigt. Da hochsensible Menschen Informationen gründlicher verarbeiten als andere, setzen sie sich ausführlicher mit Kritik, Zurückweisung, Vertrauensbruch, Verlust und Tod sowie ihrer Bedeutung auseinander.

Ihre Verletzlichkeit und ihr Mitgefühl beeinflusst das eigene Wohlergehen. Sie freuen und leiden mit anderen intensiv mit und machen die Gefühle anderer zu den Eigenen.

Hochsensible Menschen neigen zu Allergien und reagieren stärker auf Schmerzen, Medikamente, Koffein und Alkohol.

Hochsensibilität im Coaching

Hochsensible Menschen stoßen in ihrem persönlichen und beruflichen Alltag durch die Reizüberflutung unweigerlich an ihre psychischen und durch Stressreaktionen bedingt an ihre körperlichen Grenzen.

Wie mit der „Andersartigkeit“ umgehen? Den beruflichen Alltag gestalten? Für sich selbst sorgen? Abgrenzung zulassen? Mit den eigenen intensiven emotionalen Reaktionen zurecht kommen?

Es gibt keine allgemein gültige „Anleitung“ mit der eigenen Hochsensibilität umzugehen, auch wenn dies häufig ein heimlicher Wunsch ist. Auch ist es nicht möglich dieses Persönlichkeitsmerkmal abzulegen.

Beim Coaching (siehe auch Blog Beitrag) geht es daher vielmehr darum die eigenen Antworten zu finden, abhängig von der eigenen Persönlichkeit und der Situation. Die Hochsensibilität anzuerkennen und schätzen zu lernen. Neue Möglichkeiten und Handlungsoptionen für den Alltag entdecken, die vermeintlichen Schwächen neu bewerten und ein besseres Selbstwertgefühl bekommen. Lernen, sich wenn nötig abzugrenzen.

All dies braucht Zeit. Zeit zur Erkenntnis, zur Neubewertung und zur Veränderung im Alltag.

13 Stärken von hochsensiblen Menschen

Stärken hochsensibler Menschen bei der Tiefgründigkeit

  1. Aufmerksame und umfangreiche Wahrnehmung
  2. Blick für Details und Nuancen
  3. Subtile und erhöhte Wahrnehmung von Stimmungen
  4. Tiefgründige Verarbeitung von Informationen
  5. Gründliches Nachdenken
  6. Ganzheitliches und vernetztes Denken
  7. Umsichtigkeit und Vorsicht
  8. Engagement und Pflichtbewusstsein
  9. Werteorientiert und idealistisch
  10. Kreatives Potenzial

Stärken hochsensibler Menschen beim intensiven Fühlen

  1. Gefühlsstärke
  2. ausgeprägtes Einfühlungsvermögen
  3. ausgeprägtes Bauchgefühl

Ihre Sensibilität ist Gold wert in Jobs, in denen Feingefühl, diplomatisches Geschick und behutsames Vorgehen erforderlich sind.

Stärken hochsensibler Menschen
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Sie können zum Beispiel als Feel good Manager im Unternehmen eine tolle Arbeit leisten, da sie Stimmungen im Team sehr intensiv wahrnehmen und auch kleinste Details, die anderen verborgen bleiben.

4 Indikatoren zur Feststellung von Hochsensibilität

Die Psychologin, Wissenschaftlerin und Autorin Elaine N. Aron, auf die das Konzept der Hochsensibilität zurückgeht, nennt vier Indikatoren, um Hochsensibilität von außen zu erkennen.

1. Verarbeitungstiefe

Eine grundlegende Eigenschaft ist die gründliche Verarbeitung von Informationen. Hochsensible Menschen beobachten aufmerksam und detailliert. Sie denken vertieft über Informationen nach, bevor sie Sprechen und Handeln.  Da sie verfügbare Informationen sorgfältig auswerten und alle Optionen durchdenken, sind sie in ihrer Entscheidungsfindung langsamer als andere Menschen.

2. Übererregbarkeit

Hochsensible Menschen haben in einer lebendigen Umgebung und im Zusammensein mit Menschen deutlich mehr Reize zu verarbeiten und sind demzufolge schneller überstimuliert und übererregt. Stress Symptome wie Nervosität und damit verbundener beschleunigter Herzschlag, feuchte Hände und Magendruck sind die Folge.

3. Emotionale Intensität

Starke emotionale Reaktionen durch ein überdurchschnittliches intensives Empfinden begleiten hochsensible Menschen. Große Verletzlichkeit und im Gegenzug besondere Genussfähigkeit. Es ist jedoch schwer zu erkennen ob die heftigen emotionalen Reaktionen durch eine Hochsensibilität, auf ein erlittenes Trauma oder ein äußerst schwierige Vergangenheit zurückzuführen ist.
Die Unterscheidung zeigt sich darin, dass traumatisierte nicht hochsensible Menschen überwiegend negative Reaktionen zeigen. Hochsensible Menschen zeigen stärkere emotionale Reaktionen auf jegliche Lebensereignisse, sowohl positive als auch negative.

4. Sinnessensibilität

Die Sensibilität gegenüber Wahrnehmungen der fünf Sinne und die Art der Verarbeitung im Gehirn. Die Sinnessensibilität zeigt sich in einer niedrigen Wahrnehmungsschwelle, in der Fähigkeit, Feinheiten zu unterscheiden, und/oder einer niedrigen Toleranz gegenüber einer hohen Reizzufuhr.

Links zu persönlichen Tests

Nachfolgend vier Links zu persönlichen Tests, um ein Gefühl dafür zu bekommen ob eine Hochsensibilität vorhanden ist. Für die Inhalte dieser Seiten übernehme ich keine Haftung, zum aktuellen Zeitpunkt sind Tests für Hochsensibilität hinterlegt, welche nach meinem Empfinden eine gute Einschätzung geben können.

„eine Hochsensitive“  (Link zum Test von Elaine N. Aron)

„Hochsensibel leben“ 

„Zartbesaitet“  („Zart besaitet – Gesellschaft zur Förderung und Pflege der Belange hochsensibler Menschen“ )

„Hochsensible Personen“

Zu guter Letzt…

…möchte ich dir natürlich meine Quellen nicht vorenthalten. Hochsensibilität steckt wissenschaftlich noch in den Kinderschuhen (Start in den 90er Jahren) und wird häufig mit anderen Begrifflichkeiten vermischt. Es wird in der Öffentlichkeit stark diskutiert, ob es Hochsensibilität tatsächlich gibt.

Meine Buchquellen:

Elaine N. Aron – Sind Sie hochsensibel? Ein praktisches Handbuch für hochsensible Menschen mit Test und vielen Selbstreflexionsfragen

Ulrike Hensel – Hochsensible Menschen im Coaching Ein Handbuch für die Arbeit im Coaching mit hochsensiblen Menschen

Meine Internetquellen:

www.zartbesaitet.net

http://www.hochsensibel-test.de

https://hochsensitive.wordpress.com

Und ganz zum Schluss…

…sage ich Danke fürs Lesen und den wertvollen Austausch. Hinterlasse mir gerne deine Gedanken in den Kommentaren oder per Email.

Die Recherche zu diesem Artikel war spannend, da ich neben viel neuem Wissen, natürlich auch einen Abgleich mit meinen eigenen Persönlichkeitsmerkmalen vornehmen konnte.

Eine auditive Wahrnehmungssensibilität kann ich definitiv bestätigen. Hintergrundgeräusche ausblenden ist einfach nicht drin. Daher sind für mich Großraumbüros kein Ort der möglichen Konzentration. Höre ich im Hintergrund das Gitarrenspiel meines Freundes, klappt die Konzentration und der Schreibflow nicht – zum Schreiben des Blogartikels habe ich ihn heute daher aus dem Wohnzimmer verbannt.

Ab wann die Einstufung zur Hochsensibilität erfolgt, kannst du am einfachsten über die Tests erfahren. Ich finde es schon bereichernd zu wissen, dass es bestimmte Bereiche gibt, in denen man empfindsam reagiert, den mit dieser Erkenntnis kannst du deinen Alltag bewusster gestalten und darauf Rücksicht nehmen.

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Einen schönen ersten Advent

 

Deine

Ines Hammer

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