Coaching – wieso, weshalb, warum?

Wenn du 10 Menschen nach ihrer Definition von Coaching befragst, wie viele verschiedene Antworten wirst du bekommen?

Coaching ist kein geschützter Begriff und somit darf sich in Deutschland jeder Coach nennen, unabhängig von der Tätigkeit. Dies macht es sowohl für Kunden, als auch für angehende Coachs schwierig, den richtigen Coach oder die richtige Ausbildung für sich zu finden.

In meinem Blog Beitrag zeige ich dir

  • 2 grundlegende Coaching Ansätze
  • Denkweisen im Coaching
  • für welchen Ansatz ich mich aus welchem Grund entschieden habe
  • für wen ein Coaching sinnvoll ist
  • wie der Coaching Prozess abläuft
  • was du beachten solltest, wenn du dich für eine Coaching Ausbildung interessierst

Grundsätzlich kannst du 2 Arten unterscheiden, das  autonome und das autoritäre Coaching

Beim autonomen Coaching wird nach dem Hilfe zur Selbsthilfe Prinzip gearbeitet. Es wird davon ausgegangen, dass die Antworten/Lösungen im Klienten selbst liegen. Mithilfe von Coaching können diese Lösungen gefunden/entwickelt werden. Der Coach selbst ist neutral, nicht wertend, nicht wissend und nicht lenkend. Er ist mit dem Klienten auf Augenhöhe, hört aktiv zu und stellt Fragen, welche anregen die Situation aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen.
Bildlich kannst du dir vorstellen, dass ein Coach als Beobachter draußen steht, sich deine persönliche Landkarte betrachtet, hinterfragt und ihr gemeinsam Zugang zu deinem individuellen Weg/ deiner Lösung findet. Ein autonom arbeitender Coach gibt dir keine Ratschläge, den die würden aus der eigenen Sicht und Erfahrungswerten abgeleitet werden und können niemals deine komplette Landkarte berücksichtigen. Häufig wird es als Beratung ohne Ratschlag deklariert.

Beim autoritären Coaching (direktive Beratung) stellt der Coach nach Schilderung der Situation eine Diagnose und berät den Klienten entsprechend. Vergleichbar ist dies gut mit der Arzt – Patient Beziehung. Symptome werden geschildert und aufgrund dessen wird eine Diagnose erstellt und ein (Be)handlungsangebot erörtert. Es ist der vorgeschlagene Weg basierend auf dem Expertenwissen des Coachs und seiner Erfahrungswerte. Auch ein „Gründercoaching“ verfolgt häufig den beratenden Ansatz und vermittelt das eigene Expertenwissen, oft ist es auch eine Mischung aus Beiden. Vergleichbar ist dieser Ansatz mit einer Lehrer-Schüler Beziehung.

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Als anschauliches Beispiel beim Gründercoaching:

Passend autonomes Coaching:

Welche Persönlichkeit bin ich? Wo liegen meine Stärken? Wer bin ich als Marke? Wie positioniere ich mich? Was sind meine persönlichen Herausforderungen? Wie passt meine Gründungsidee zu mir und meinem Alltag? Welcher Marketing Weg ist für dich der Passende (abhängig von deiner Persönlichkeit)? Dies kann dir nur einer beantworten und das bist du. Keiner kennt deine komplette Lebensgeschichte und deine Vorerfahrungen und kann dir dies beantworten. Ein autonomes Coaching öffnet dir den Zugang zu deiner Persönlichkeit und schafft dir Erkenntnisse, die dich weiter entwickeln und dir Antworten auf diese Fragen gibt.

Passend autoritäres Coaching:

Wie sieht ein Businessplan aus? Wie ist der Finanzplan aufgebaut? Welche Marketingtools gibt es?  Wie baue ich eine Webseite? Für dieses fachliche Expertenwissen ist das autoritäre Coaching passend, den es verlangt nach konkretem fachlichen Wissen des Coachs zu einem bestimmten Thema.

 

Denkweisen im Coaching

Systemisches Denken:

Jeder Mensch ist Teil eines Systems. Ob im Arbeitsumfeld (Kollegen/Vorgesetzte), zu Hause (Familie) oder im sozialen Umfeld (Freunde/Verein) – wir stehen in Beziehung zueinander und wie bei einem Mobile gibt es eine Wechselwirkung, sobald einer auf den anderen reagiert. Im systemischen Coaching wird dieses Umfeld mit einbezogen und der Perspektivenwechsel eröffnet dem Klienten neue Handlungsmöglichkeiten. Systemische Aufstellungsarbeit (Systembrett oder Familienaufstellung) ist häufig bekannt und betrachtet genau diese Beziehungen zueinander.

Lösungsorientiertes Denken:

Der Klient kennt sein Problem meist genau und weiß, was alles nicht funktioniert und was er nicht möchte. im Coaching richtet sich der Blick vom Problem weg, hin zur Lösung. Was ist das Ziel, welche Möglichkeiten hat der Klient und welche Handlungsschritte werden erarbeitet?

Konstruktivistisches Denken: 

Wir sehen die Dinge so wie wir sind und nicht wie die Dinge sind. Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise und somit auch seine eigene Realität. Diese konstruiert er sich selbst . Die eigene „Wahrheit“ ist geprägt durch Erfahrungen, Erlebnisse, Erinnerungen und das Umfeld. Im Coaching wird mit dieser Sicht gearbeitet und es eröffnen sich neue Blickwinkel.

 

Für welchen Ansatz habe ich mich entschieden und warum?

Wie fühlst du dich, wenn dir jemand einen Ratschlag gibt?
Vielleicht sogar ohne dass du ihn darum gefragt hast?
Ich persönlich fühle mich nicht gut dabei, wehre ab und meine erste innere Antwort lautet „der kennt doch meine persönliche Situation gar nicht und hat keine Ahnung wie mein eigener Plan aussieht“. Es ist ein Gefühl, als stülpe dir jemand etwas über, von dem ER denkt es wäre das Richtige für dich. So geht es nicht nur mir, sondern vielen Klienten, die sich neu orientieren möchten, den Weg in eine Selbstständigkeit wagen (wollen) oder die gerade zwischen Familie und Beruf stehen und ihren Weg finden. Jeder weiß es besser und gibt ungefragt seine Ratschläge zum Besten. Nur in wie vielen Fällen werden diese Ratschläge auch wirklich angenommen?
Meine Entscheidung für den autonomen Ansatz spiegelt daher meine innere Haltung wieder in Bezug auf den eigenen persönlichen Lösungsweg und die Arbeit ohne (ungefragte) Ratschläge. Auch die Basis der Zusammenarbeit, mit dem Klienten auf Augenhöhe zu sein, empfinde ich als passende Arbeitsgrundlage. Gibt es Themen, in denen ich durch meine Vorerfahrung fundiertes Expertenwissen habe und der Klient fragt explizit nach meinen Erfahrungen, ist der Wechsel in eine beratende Rolle kurzzeitig möglich. Jedoch immer mit Ankündigung des Wechsels zu Beratung oder Training (Lerninhalte vermitteln z. B. Kommunikationsmodelle).
Ich habe mich bereits zu unterschiedlichen Situationen mit den verschiedenen Ansätzen selbst coachen lassen. Der autoritäre Ansatz hinterlässt bei mir ein Gefühl nicht wirklich verstanden zu werden. Beim autonomen Ansatz erlebe ich einen positiven Flow und spürbare Erkenntnisse, die mir neue Türen öffnen.

Für wen ist ein Coaching sinnvoll?

Coaching richtet sich an Menschen mit Selbststeuerungskompetenz, die sich in einer herausfordernden Situation oder einem Veränderungsprozess befinden und auf der Suche nach Klarheit/Lösungen oder einer Entscheidungsfindung sind. Es ist sinnvoll um die eigene Situation genau zu analysieren und neue Handlungsmöglichkeiten für sich zu finden.

Die Selbststeuerungskompetenz ist bei psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angst/Panikstörungen nicht immer gegeben und ein Coaching somit nicht die richtige Wahl. Dies kann z. B. auch in der Spirale des Burn-out passieren und es empfiehlt sich therapeutische Hilfe.

Oft herrscht beim Klienten ein Denken „ich kann nicht, weil…“ und ihm bleiben die eigenen Möglichkeiten verschlossen.

Beispiel Coaching Situationen:

♦ Unzufriedenheit im Beruf

♦ Umgang mit (schwierigen) Kollegen/Vorgesetzten

♦ Wunsch nach beruflicher Veränderung/Neuorientierung

♦ Umgang mit der Balance zwischen Job und Familie

♦ Entscheidungsfindung

♦ Konflikte beruflich oder privat

♦ Krisen

♦ Persönlichkeitsentwicklung – eigene Verhaltensmuster erkennen und ändern

♦ Klarheit über den eigenen Lebensentwurf

 

Zur Zielsetzung und Entscheidungsfindung kann Coaching erheblich dienen, bzw. die Zeit in der man um das Problem/die Situation alleine kreist verkürzen. Familie und Freunde sind nicht immer die besten Ratgeber, da sie Teil des eigenen Systems sind und somit die Situation schwierig von außen betrachten können. Die Wirkung von bestimmten Fragen und den gewonnenen Erkenntnissen in einer Coaching Session, tritt oft zwischen den Terminen also zeitverzögert ein. Daher sollte sich weder Coach noch Klient den Druck machen, direkt im Coaching zu einer Entscheidung oder einer Lösung zu kommen. Es ist wichtig Impulse wirken zu lassen um klar zu sehen. Auch ist das Coaching ergebnisoffen, oft ändern sich Ziele, die Situation oder das Umfeld während des Coaching Zeitraumes.

Coaching grenzt sich zu Beratung, Training oder Therapie ab. In der Beratung schildert der Klient sein Anliegen und der Berater gibt aufgrund seiner fachlichen Expertise einen Ratschlag für die Vorgehensweise. Ein Training kann einzelne Übungselemente z. B. in Form von Rollenspielen zu Kommunikation oder anderen Themengebieten beinhalten. Viele Elemente aus dem therapeutischen sind auch im Coaching zu Hause, der Unterschied ist in der Therapie die Arbeit mit seelischen Erkrankungen (z. B. Depression, Panikattacken). Die Übergänge zwischen Coaching und Therapie können fließend und nicht immer sofort erkennbar sein. Es ist wichtig, dass ein Coach seine Grenzen kennt, das Fachwissen und die Empathie besitzt, mögliche seelische Leiden zu erkennen und den Klienten entsprechend an Therapeuten weiterzuleiten. In einigen Fällen kann ein Coaching zusätzlich zur Therapie hilfreich sein, dies sollte jedoch in Absprache mit dem Therapeuten geschehen.

 

Wie läuft ein Coaching Prozess ab?

 

Eine Coaching Session sieht von Außen betrachtet aus wie ein 1,5 – 2 Stunden dauerndes Gespräch. Es kann in geschlossenen Räumlichkeiten, aber auch als walk and talk in der Natur durchgeführt werden. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass es beim Coaching in Bewegung den Klienten leichter fällt sich zu öffnen, sie in einen positiven Gedankenflow kommen und sich viele gedankliche Türen öffnen.

  1. Kontakt und Kontrakt

    Zunächst gibt es einen ersten Kontakt. Hier lernen sich Coach und Klient kennen und besprechen das Anliegen des Klienten. Der Coach stellt seine Arbeitsweise vor, Vertraulichkeit, ideologische Unabhängigkeit und dass keine manipulativen Techniken genutzt werden, sind nennenswerte Punkte. Gegenseitige Erwartungen und die Art der möglichen Zusammenarbeit wird besprochen – wo, wann, wie oft und welche Kosten erwarten den Klienten? Ein Erstgespräch dauert ca. 30-60 min. und ist noch kein Coaching. Die Themen/Ziele werden angesprochen und der Coach fragt detailliert nach um sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen und entsprechend einen Ausblick auf ein mögliches Coaching zu geben. Das Erstgespräch ist in der Regel kostenfrei und dient dazu, dass sich beide Seiten über eine mögliche Zusammenarbeit klar werden, die Entscheidung für/gegen ein Coaching sollte entsprechend erst nach dem Gespräch getroffen werden.

  2. Thema- und Zielklärung

    im zweiten Schritt wird die IST Situation dargestellt, ggf. systemisch aufgestellt und die Ziele für das Coaching geklärt. Was möchte der Klient durch das Coaching erreichen? Was soll sich ändern? Bis wann sollte das geschehen?

  3. Ressourcen finden

    Werte- und Identitätsarbeit, wer bin ich und was ist mir wichtig? Welche Ressourcen habe ich und in welche Kontexte kann ich diese ableiten? Das bisherige Analyse- und Lösungsverhalten wird ermittelt.

  4. Entwickeln und Ergründen von Verhaltensalternativen

    Wie kann ich alte Muster/Gewohnheiten ablegen bzw. Alternativen entwickeln? In diesem Schritt kann ein Handlungsplan mit dem Klienten erstellt werden. Mögliche Stolpersteine werden erkannt und besprochen.  Die Aktivierung von Ressourcen des Klienten spielt in diesem Schritt eine Rolle.

  5. Evaluation Coaching

    Hier ziehen Coach und Klient ein Resumee. Wie hat der Klient das Coaching erlebt und was hat sich für ihn verändert? Sind die Ziele erreicht worden. Diese Stufe stellt den Abschluss des Coachings dar.

Es ist nicht bequem seine Komfortzone zu verlassen und sich selbst zu reflektieren. Mitunter kann es sogar weh tun. Es können zwischen Coaching Sessions mentale Hoch- und Tiefphasen kommen und das ganze Denken durcheinander werfen. Unser Gehirn strebt nach Routine und möchte alte Denkweisen nicht gerne aufgeben, daher wehrt es sich. Ohne diese teilweise anstrengenden Denkprozesse ist persönliche Weiterentwicklung jedoch nicht möglich und wir verharren in alten Mustern und Gewohnheiten.

 

Wie entscheidest du dich für die richtige Coaching Ausbildung?

Zunächst solltest du dir über den für dich passenden Coaching Ansatz im Klaren sein. Meine persönliche Meinung – Fernstudien/Kurse mögen ihre Berechtigung haben, aber Coaching lernst du nur durch viel Praxis und Selbsterfahrung. Hier ist „nur“ Theorie fehl am Platz. Es ist gut und wichtig zu wissen, was Coaching bewirken kann – daher empfinde ich die Selbsterfahrung als elementar. Auch empfinde ich Kompaktausbildungen in einem Stück als nicht zielführend, da das Gelernte und Erfahrene nachwirkt und die Pausen dazwischen wichtig sind.

Du kannst dir außerdem die unterschiedlichen Auffassungen der Coachingverbände anschauen und sehen was für dich passt.

Ich habe mich damals für die Ausbildung bei Dr. Brigitte Wolter (Brandinvest) entschieden. Sie bietet eine einjährige Ausbildung Personal & Business Coach mit Wochenend-Modulen in überschaubaren Teilnehmergrößen (ca. 8) an. Die Ausbildung ist beim Deutschen Bundesverband für Coaching anerkannt und wird zusätzlich mit einer Prüfung der IHK Wiesbaden abgeschlossen. Ausschlaggebend waren für mich ihr Buch „Ich will Coach werden“ und ein ca. einstündiges persönliches Gespräch vorab. Somit wusste ich, dass es menschlich und auch thematisch für mich passend ist. Auf ihrer Webseite und vor allem im Blog kann man sich intensiv zu allen Facetten des Coachings informieren.

Natürlich kann dir auch ein Coaching bei einem Coach helfen, der einen Ansatz vertritt, den du gerne erlernen möchtest. Die Findungsphase welche Ausbildung, wo geht die berufliche Reise hin ist ein wunderbarer Coaching Anlass. Du kannst hautnah erleben, wie Coaching wirkt und dich dann entsprechend entscheiden.

Ich freue mich, dass du hier warst. Gerne kannst du dir auch mein Youtube Video zum Thema anschauen.

Danke fürs Lesen und bei Rückfragen melde dich gerne in den Kommentaren oder mit einer persönlichen Nachricht.

 

Deine

 

 

 

 

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