Ängste; Imagination

Imagination – die eigene Vorstellungskraft mit inneren Bildern wirksam einsetzen

„Mama, meine Angst ist eine Pusteblume, wenn ich möchte kann ich sie einfach weg pusten“

In einem Gespräch mit meiner 6-jährigen Tochter ist mir vor einigen Tagen erneut bewusst geworden, welche Kraft innere Bilder haben können. Was wir als Erwachsene meist verlernt haben, nutzen Kinder auf eine ganz natürliche Weise. Sie nutzen die Kraft ihrer Gedanken und erschaffen sich durch innere Bilder wunderbare Möglichkeiten mit sich selbst, Erinnerungen, den eigenen Emotionen und mit ihrem Umfeld umzugehen.

„Blöde Erinnerungen packe ich in eine Kiste“ – so begann ganz überraschend ein Austausch über unsere innere Welt. In diesem Moment dachte ich noch, irgendwo im Kinderzimmer steht eine echte Kiste.

„Wo ist denn diese Kiste?“ 
„In meinem Kopf. Alles was doof ist packe ich rein und mach die Kiste zu“

Im Laufe des Gesprächs zeichnete sie mir eine spannende Welt im Inneren, teilte mit mir ihre Definition von blöden Erinnerungen und den Umgang damit. Auch konnten wir so über schwierige Themen wie Tod und Trauer miteinander sprechen. Wie wichtig es ist, die Kisten nicht zu fest zu verschließen, sondern auch Trauer oder Wut heraus zu lassen und miteinander zu teilen. Mit der Vorstellungskraft erschuf sie dann neben der Kiste eine Blume, die bei Bedarf ihre Blüten schließt und zum richtigen Zeitpunkt wieder öffnet, wenn sie sich die Erinnerungen betrachten möchte.

Angst; Persönlichkeit; Imagination

Besonders eindrucksvoll für mich ist die Idee zum Umgang mit Ängsten – Augen zu, einmal tief durchatmen und die imaginäre Pusteblume und damit die Angst weg pusten.

Als wir dann auch noch auf den inneren Garten zu sprechen kamen, war ich mir fast sicher sie hat sich heimlich meine Fachbücher vorlesen lassen…

Diese Art der Imagination mag kein Allheilmittel für den Umgang mit jeglichen Formen der Angst sein, doch es kann in der ein oder anderen Situation helfend wirken. Zudem ist die Möglichkeit, sich selbst mit der eigenen Vorstellungskraft in herausfordernden Situationen zu unterstützen, immer gegeben. Die eigenen Gedanken sind sowieso immer dabei.

Bei tiefsitzenden Ängsten, ggf. als Folge von traumatischem Stress oder in der Schmerztherapie, können Imaginationen Teil einer therapeutischen Begleitung sein.

Bei was kann Imagination helfen?

Die eigene Vorstellungskraft lässt sich für unterschiedliche Bereiche einsetzen.

Sie können Sicherheit und Stabilität geben und in herausfordernden Situationen helfend zur Seite stehen. Imaginationen können zudem eine Ebene schaffen, über die wir mit anderen Menschen (gerade auch mit Kindern) über Themen sprechen können, über die sonst eher geschwiegen wird. Gerade Themen wie Trauer und Wut können hier ihren Weg nach draußen finden.

Da die Fähigkeit zu imaginieren in der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen nachlässt, mag die Nutzung innerer Bilder zunächst ungewohnt sein. Es ist jedoch wie ein Muskel, der wieder trainiert werden kann.

Im Coaching nutze ich mit Klienten oft die Vorstellung einer gewünschten Zukunft und die einzelnen Schritte, die dazu führen können. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, dass eine Umsetzung in eine gewünschte Veränderung/Zukunft immer erst dann funktioniert, wenn in der Vorstellungskraft alle Hindernisse/Störfaktoren/Unklarheiten ausgeräumt sind. Diese mentale innere Klarheit schafft die Kraft für eine Umsetzung im Außen. Häufig nehme ich in einer ersten Coaching Sitzung viele Stolpersteine wahr, die vor der Lösung im Weg liegen. Mit der Kraft der Vorstellung können diese Hindernisse kleiner oder sogar ganz aus dem Weg geräumt werden. Der zeitliche Prozess ist dabei ganz unterschiedlich.

Neben dem Szenario der gewünschten Zukunft ist das „Innere Team“ häufig Bestandteil im Coaching. Anders als im unten erwähnten „Inneren Rat“ geht es hier jedoch um die eigenen Persönlichkeits-Anteile, die in verschiedenen Situationen uneinig sind und damit eine innere Zerrissenheit entsteht.

In vielen Psychotherapeutischen Verfahren werden Imaginationen eingesetzt, vor allem in der Arbeit mit Traumafolgestörungen. Auch Hypnosystemische Konzepte nutzen die Imagination – unter anderem bei Schmerztherapien.

Buchempfehlung

Wer dazu mehr lesen möchte, dem empfehle ich Luise Reddemann – Imagination als heilsame Kraft*.

Dieses Buch ist vorrangig für Therapeut*innen geschrieben, eignet sich jedoch auch für Interessierte und Betroffene. Luise Reddemann ist auf dem Gebiet der Traumatherapie gefragte Expertin. Da sich ihr Werk in erster Linie an Therapeut*innen richtet, geht es vor den eigentlichen Imaginationsmethoden im Buch auch um die Beziehung zwischen Klient und Therapeut*in und die innere Haltung von Therapeut*innen.
Ihre Methoden sind nicht ausschließlich für Traumata anwendbar, sondern viele der Imaginations-Übungen sind auch für andere Alltagsthemen nutzbar und können helfen einen positiven Umgang mit verschiedenen Situationen zu finden.

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Imaginationen im Alltag nutzen

Ob du…

  • dich zur Entspannung an einen schönen Ort „beamst“ und die Kraft von Sonne, Meer und Wärme tankst.
  • dir als Unterstützung in schwierigen Situationen einen „Helfer“ an deiner Seite vorstellst.
  • Ängste wegpustest und ihnen damit (einen Teil) des Schreckens nimmst.

Diese Vorstellungskraft lässt sich trainieren und nutzen.

Es gibt viele Situation, in denen du deine Vorstellungskraft positiv für dich einsetzen kannst. Zwei einfach anzuwendende Methoden – „Der Innere Rat“ und „Helfer“ – möchte ich dir hier vorstellen.

Der „Innere Rat“ – ein imaginäres Team an deiner Seite

Eine (von vielen) Ideen die du für dich selbst anwenden kannst, ist es, einen „Inneren Rat“ zu gründen.

Stelle dir vor, du hast deinen eigenen Inneren Rat, der dir bei Entscheidungen oder Herausforderungen zur Seite steht und den der dich beratend unterstützt. Stelle dir möglichst detailliert einen Raum vor, in dem dein Innerer Rat sitzt. Wie sieht der Raum aus, welcher Tisch steht darin und worauf sitzen deine Mitglieder des Inneren Rats?

Mitglieder können Menschen oder Figuren sein, zu denen du aufblickst, die ggf. eine Vorbild Funktion für dich haben oder die einfach gewisse Eigenschaften aufweisen, die du gut findest. Ob du Präsidenten, Ernie von der Sesamstraße oder Rockstars in deinem Team hast – schau wer für dich etwas wichtiges verkörpert und wessen Meinung du gerne hören würdest. Überlege dir nun in herausfordernden Situationen was dir dein Innerer Rat dazu sagen könnte. In deiner Vorstellungskraft kannst du dich mit an den Tisch setzen und jeden Einzelnen „anhören“. Du kannst in deiner Vorstellung richtige Gespräche mit den einzelnen Menschen/Figuren führen.

Alleine dieser Perspektivwechsel aus der Sicht eines Anderen zu denken, kann dir schon hilfreiche neue Impulse geben.

Diese Möglichkeit sich in schwierigen Situationen einen imaginären Trupp von wohlwollenden beratenden Menschen/Figuren vorzustellen kann in vielen Situationen wertvoll sein.

Inneres Team; Persönlichkeitsentwicklung

Imaginäre Helfer

Neben dem Inneren Rat, den du gut als Entscheidungshilfe einsetzen kannst, gibt es auch die Möglichkeit dir einen „Helfer“ an die Seite zu holen. Jemand, der dir das Gefühl von Halt und Sicherheit gibt, wenn du es brauchst. Dieser Helfer kann ein Mensch, eine Figur, aber auch ein Gegenstand sein – der dir die Kraft und Unterstützung gibt, die du gerade brauchst.

Gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es immer wieder Situationen, die dich an deine Grenzen bringen können. Ob Angst, zu wenig Selbstvertrauen oder Wut – manchmal wäre es einfach schön, jemanden an der Seite zu haben, um sich nicht alleine bestimmten Situationen zu stellen. Wer oder was würde dir in solchen Situationen helfen? In deiner Vorstellung kannst du jeden mitnehmen. Vielleicht hilft dir die Vorstellung ein*e gute Freund*in sitzt bei dir und hält deine Hand. Vielleicht ist es aber auch eine schnurrende Katze, die dir die nötige Entspannung gibt. Möglicherweise ist es aber auch die Vorstellung Oskar aus der Tonne oder Bart Simpson ist mit dir im Raum und nimmt die dir ein wenig die Anspannung in einer schwierigen Situation. Was funktioniert entscheidest du.

Und ja – du bist total normal, wenn du dir eine hilfreiche innere Welt erschaffst ❤

Wie nutzt du deine Vorstellungskraft?

Welche Erfahrungen hast du bereits mit Imaginationen gemacht? Nutzt du sie vielleicht schon unbewusst und hast jetzt weitere Ideen dazu?

Ich freue mich, wenn du dir aus diesem Artikel den ein oder anderen Impuls mitnehmen konntest. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreibe mir eine Nachricht über deine Erfahrungen mit der Kraft deiner Vorstellungskraft.

Herzliche Grüße

Ines Hammer

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